10 Kurse - 10 Weisheiten

10 Dinge, die ich bei den Kursen gelernt habe - und woran ich mich ab und zu erinnern muss. Nummer 2 ist paradox.

Autor: Robin Leins (robin@medienkurs.ch)

Diesen Monat werde ich zum zehnten Mal einen zweitägigen Kurs für Jugendliche durchführen. Dabei probiere ich immer wieder neues aus und baue auch aktuelle Themen ein. Einige Dinge versuche ich aber immer zu beachten, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Hier meine Liste:

 

1. Zeige nicht nur Risiken, sondern auch Chancen.

Ziel der Medienpädagogik ist, dass Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien reflektiert und aufgeklärt sind. Dazu gehört natürlich das Wissen um die Risiken im Internet. Dazu gehört aber auch, dass sie ausdrücken können, welche Vorteile die Mediennutzung hat.


2. Gib keine Ratschläge.

Ratschläge sind langweilig und können kontraproduktiv wirken. Vor allem aber sind sie unnötig: In Diskussionen kommen Jugendliche relativ zuverlässig selber auf die wichtigsten Einsichten.


3. Frag!

Statt Ratschläge zu erteilen, stelle die richtigen Fragen. Bleib ergebnisoffen, lasse unterschiedliche Meinungen zu und freue dich über entstehende Diskussionen. Fragen zu stellen, hat einen weiteren Vorteil: Du lernst selbst etwas über die Mediennutzung der Jugendlichen.


4. Frag nach!

Achtung: Ab und zu geben Jugendliche nur die Floskeln wieder, die sie von Erwachsenen gehört oder in der Zeitung gelesen haben. Wie im übrigen Unterricht versuchen sie dem Lehrer die „richtige“ Antwort zu geben. Hier kannst du nachfragen: Was meinst du genau damit?


5. Knüpfe an persönliche Erfahrungen an.

Viele Themen sind leichter zugänglich, wenn man von den persönlichen Erfahrungen der Jugendlichen ausgeht.
Das Thema „Gewaltdarstellungen im Internet“ klingt erst einmal trocken. Einfacher wird es mit einer persönlichen Frage: „Wer hat schon einmal etwas im Internet gesehen, dass er oder sie lieber nicht gesehen hätte? Möchte jemand erzählen, was es war?“


6. Wirf nicht alle in einen Topf.

Auch bei Jugendlichen gibt es in der Art und Intensität der Social-Media-Nutzung grosse Unterschiede. Bei Diskussionen gilt es immer auch diejenigen einzubinden, die beispielsweise keine Social Media nutzen. Frage sie, warum sie darauf verzichten und wie es ihnen dabei geht.


7. Setze nichts voraus.

Es gibt keine Digital Natives. Gerade das technische Verständnis müssen die Millenials genauso erlernen wie Erwachsene.


8. Medienpädagogik braucht Zeit.

Man könnte natürlich den Schülerinnen und Schülern in einer Schulstunde alles Wichtige eintrichtern. Nur würde dies nichts nützen (siehe Punkt 2). Um eine eigene Haltung zu entwickeln, brauchen Jugendliche genügend Zeit.
 

9. Medienpädagogik braucht Vertrauen.

Wer mit Jugendlichen über sexuelle Übergriffe, Mobbing, Sucht etc. reden will, braucht ihr Vertrauen. Dieses gewinnst du, indem du sie ernst nimmst und ihnen bei persönlichen Themen immer freistellst, ob sie sich äussern wollen oder nicht.
 

10. Sei Neugierig!

Manchmal bildet Medienpädagogik einen guten Einstieg in Themen, die sonst schwierig anzugehen sind. Mobbing, Urheberrecht, sexuelle Übergriffe, Geschlechterrollen, Identitätsbildung etc. sind Themenbereiche, die auch in der analogen Welt existieren und diskutiert werden sollten. Sie können pars pro toto in Bezug auf digitale Medien behandelt werden.


Welche Erfahrungen habt ihr mit Medienpädagogik gemacht? Was habe ich vergessen? Ich freue mich über Kommentare!

 

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